Longevity-Hautpflege: NMN, Fisetin und DHM – was steckt hinter der neuen Wirkstoffgeneration?
Hautpflege entwickelt sich weiter: Neben klassischen Feuchtigkeitsspendern, Antioxidantien und Peptiden rücken zunehmend Inhaltsstoffe in den Fokus, die an biologischen Prozessen in Hautzellen ansetzen sollen. Sie gehören zu einer neuen, zellulär orientierten Forschungsrichtung der Hautpflege. Drei Namen begegnen Dir dabei immer häufiger: NMN, Fisetin und Dihydromyricetin (DHM).

Was bedeutet zelluläre Longevity-Hautpflege?
Mit zunehmendem Alter verändern sich viele Prozesse in der Haut: Die Zellerneuerung kann langsamer werden, die Kollagenstruktur verändert sich, und äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Luftverschmutzung und Rauchen hinterlassen Spuren. Auch Stoffwechselwege, oxidativer Stress und epigenetische Veränderungen werden in der Altersforschung untersucht.
Der Begriff Longevity-Hautpflege beschreibt Produkte und Formulierungen, die nicht nur kurzfristig Feuchtigkeit oder ein glatteres Hautgefühl liefern möchten, sondern biologische Vorgänge in der Haut berücksichtigen. NMN, Fisetin und DHM werden in diesem Zusammenhang erforscht und vermarktet. Man kann sie als Vertreter einer neuen Generation zellulär ausgerichteter Anti-Aging-Wirkstoffe bezeichnen – mit dem Zusatz, dass die klinische Beweislage je nach Stoff noch unterschiedlich und teilweise früh ist.
1. NMN – ein Baustein im NAD⁺-Stoffwechsel
NMN steht für Nicotinamid-Mononukleotid. Es ist eine Vorstufe von NAD⁺ (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid), einem Coenzym, das in Zellen an Energie- und Stoffwechselprozessen beteiligt ist. NAD⁺ ist außerdem für bestimmte Enzyme wichtig, die unter anderem an Zellstressreaktionen und DNA-Reparatur beteiligt sind.
Mit dem Alter können sich NAD⁺-Spiegel in verschiedenen Geweben verändern. Deshalb wird untersucht, ob Vorstufen wie NMN bestimmte Stoffwechselwege beeinflussen können. Für kosmetische Anwendungen gibt es erste Untersuchungen zur Stabilität, Hautpenetration und zu möglichen Effekten auf Hautzellen. Eine 2025 veröffentlichte Arbeit untersuchte NMN in einem künstlichen Hautmembranmodell – das ist ein interessanter Forschungsschritt, aber noch kein Beleg dafür, dass eine Creme beim Menschen die Hautzellen umfassend verjüngt.
2. Fisetin – ein Pflanzenstoff aus der Senolytika-Forschung
Fisetin ist ein natürlich vorkommendes Flavonoid, das unter anderem in Erdbeeren, Äpfeln und anderen Pflanzen enthalten ist. In der Grundlagenforschung wird Fisetin wegen seiner antioxidativen Eigenschaften und seiner möglichen Rolle in der sogenannten Seneszenz-Forschung untersucht.
Seneszente Zellen sind Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber aktiv bleiben und Signalstoffe abgeben können. Sie werden umgangssprachlich manchmal „Zombie-Zellen“ genannt. Bestimmte Forschungsansätze prüfen, ob sogenannte Senolytika solche Zellen gezielt beeinflussen können. Fisetin ist dafür ein Forschungsstoff – die Ergebnisse aus Zell- und Tiermodellen lassen sich jedoch nicht einfach auf eine Gesichtscreme übertragen.
In der Kosmetik wird Fisetin vor allem im Kontext antioxidativer Pflege und natürlicher Hauterneuerung positioniert. Ob und in welchem Umfang es bei äußerlicher Anwendung relevante senolytische Effekte in menschlicher Haut erzielt, ist noch nicht ausreichend geklärt.
3. Dihydromyricetin (DHM) – ein Flavonoid mit epigenetischem Forschungsinteresse
Dihydromyricetin, kurz DHM, ist ein pflanzliches Flavonoid, das beispielsweise in der Ampelopsis-Pflanze vorkommt. Es wird wegen antioxidativer und entzündungsmodulierender Eigenschaften untersucht. In der Hautforschung ist außerdem das Interesse an möglichen Einflüssen auf epigenetische Prozesse gewachsen.
Epigenetik beschreibt vereinfacht, wie Zellen Gene regulieren, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Eine 2026 veröffentlichte klinische Studie untersuchte ein DHM-haltiges Serum über acht Wochen bei 30 Personen mit lichtgealterter Haut. Die Forschenden berichteten Verbesserungen bei bestimmten Messwerten wie Elastizität, Hautstruktur und Ausstrahlung. Die Studie war jedoch klein, lief ohne parallele Kontrollgruppe und untersuchte eine konkrete Formulierung. Sie beweist daher nicht, dass DHM allein die Haut biologisch verjüngt oder dass jedes DHM-Produkt denselben Effekt hat.
Die neue Generation der Anti-Aging-Wirkstoffe – was ist daran neu?
Klassische Hautpflege setzt häufig auf Feuchtigkeit, Barriereschutz, UV-Schutz und gut untersuchte Wirkstoffe wie Retinoide oder Vitamin C. Die neue zellulär orientierte Generation erweitert diese Perspektive: Sie nimmt Stoffwechselwege, Zellstress, Seneszenz und epigenetische Regulation in den Blick.
Das ist ein spannender Perspektivwechsel – aber kein Grund, bewährte Grundlagen zu vernachlässigen. Täglicher Sonnenschutz, eine passende Feuchtigkeitspflege, eine sanfte Reinigung und ein hautverträglicher Wirkstoffplan bleiben zentrale Bausteine einer sinnvollen Routine ab 40.
Wo findest Du NMN, Fisetin und DHM in der Kosmetik?
Ein konkretes Beispiel für eine Marke, die diese Wirkstoffrichtung aufgreift, ist DR. VIE. Auf der offiziellen Website beschreibt die Marke ihre Produkte als Longevity Skincare und führt NMN, Fisetin und Dihydromyricetin (DHM) in den Wirkstoffangaben einzelner Produkte beziehungsweise Routinen auf.
Es ist Clean Cosmetik und wahrscheinlich auch die einzige Marke, die für jeden Wirkstoff genaue Prozentangaben auf der Verpackung angibt.
Worauf solltest Du bei der Auswahl achten?
- Schau auf die vollständige INCI-Liste: Ein Wirkstoffname in der Werbung sagt allein noch nichts über die tatsächliche Formulierung aus.
- Beachte die Konzentration und Formulierung: Stabilität, Trägersystem und Verpackung können für die Anwendung wichtig sein.
- Führe neue Produkte langsam ein: Teste zunächst eine kleine Menge und beobachte Deine Haut.
- Kombiniere nicht alles auf einmal: Bei empfindlicher Haut ist eine schrittweise Einführung sinnvoll.
- Vergiss den Sonnenschutz nicht: UV-Schutz bleibt eine der wichtigsten Maßnahmen gegen vorzeitige lichtbedingte Hautalterung.
- Bei Hautkrankheiten gilt: Kosmetische Produkte sind keine Behandlung von Erkrankungen und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Fazit: Zelluläre Hautpflege ist ein spannendes Forschungsfeld
NMN, Fisetin und DHM stehen für eine neue, zellulär orientierte Perspektive in der Longevity-Hautpflege. Sie greifen Themen auf, die auch in der Altersforschung eine Rolle spielen: NAD⁺-Stoffwechsel, Zellseneszenz, antioxidative Prozesse und epigenetische Regulation. Besonders bei DHM gibt es inzwischen erste klinische Untersuchungen zur äußerlichen Anwendung; bei NMN und Fisetin ist die Übertragbarkeit auf sichtbare Effekte einer kosmetischen Routine noch begrenzt.
Du musst Deine Pflegeroutine deshalb nicht komplett umstellen. Nutze neue Wirkstoffe als mögliche Ergänzung, informiere Dich kritisch und setze weiterhin auf die Grundlagen. Proud Aging bedeutet schließlich, Deine Haut bewusst zu pflegen – ohne unrealistische Versprechen und ohne den Anspruch, jedes Zeichen des Älterwerdens bekämpfen zu müssen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Betsuno et al. (2025): Permeation of Nicotinamide Mononucleotide (NMN) in an Artificial Membrane as a Cosmetic Skin Permeability Test Model
- Wanitphakdeedecha et al. (2026): Efficacy and safety evaluation of a topical dihydromyricetin-containing serum
- DR. VIE – offizielle Produktübersicht und Wirkstoffangaben